Zwei Wochen durch Deutschland auf Film
Von den verschneiten bayerischen Alpen bis zur Kirschblüte in Heidelberg — mit ein paar Rollen Film quer durch Deutschland.
Es hat etwas Besonderes, in einem so alten Land auf Film zu fotografieren. Jede Kopfsteinpflasterstraße, jede bröckelnde Burgmauer, jedes Kircheninnere — alles wirkt, als wäre es für analoge Fotografie geschaffen. Ich habe diesen April zwei Wochen in Deutschland verbracht, und der Kontrast zwischen Winter und Frühling im ganzen Land hat mir die abwechslungsreichsten Rollen beschert, die ich je belichtet habe.
Bayern: Schnee im April
Die Reise begann in München, aber die eigentliche Überraschung kam, als wir nach Süden in Richtung Garmisch-Partenkirchen fuhren. Es war Mitte April und die Alpen lagen unter Schnee begraben. Schwerer, stiller, alles-dämpfender Schnee. Der See in der Nähe der Stadt war halb zugefroren, die Wälder waren weiße Korridore, und das Kassenhäuschen auf dem Parkplatz sah aus wie aus einem Weihnachtsfilm.

Wir wanderten über Pfade, auf denen das einzige Geräusch der Schnee war, der von Kiefernzweigen fiel. Die Art von Kälte, die einen dankbar macht für jedes warme Café. Allein hier habe ich anderthalb Rollen verschossen — das Licht war weich und endlos, es reflektierte in alle Richtungen vom Schnee.
München selbst war wärmer. Das Siegestor leuchtete golden vor blauem Himmel, die alten Bäume im Englischen Garten waren noch kahl, aber dramatisch, und der Olympiapark in der Dämmerung — mit dem Turm, der sich im Wasser spiegelte — war einer dieser Glücksmomente, die man nicht planen kann. Die Architektur der BMW Welt wirkte fast zu futuristisch für Film, aber ich glaube, das Korn fügt etwas hinzu.

Rothenburg ob der Tauber: Die mittelalterliche Postkarte
Rothenburg ist fast zu perfekt. Die Fachwerkhäuser, das Plönlein, die Kopfsteinpflasterstraßen — es wirkt inszeniert, ist aber einfach authentisch erhalten. Wir kamen am späten Nachmittag an und hatten die Gassen bei Sonnenuntergang fast für uns allein. Das Licht wurde rosa und der Uhrturm leuchtete. Ich habe dieselbe Ecke auf drei verschiedene Arten fotografiert und bereue nichts.

Dresden & Leipzig
Dresden hat mich anders getroffen. Der Innenhof des Zwingers, die Kuppel der Frauenkirche, die zwischen Barockgebäuden auftaucht, die gelbe Straßenbahn, die vorbeirattert — die Stadt hat ein Gewicht. Man spürt die Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau in jedem Stein. Allein der Fürstenzug ist den Stopp wert.
Leipzig war nur ein kurzer Abstecher — gerade lang genug für eine Thüringer Bratwurst im Hauptbahnhof und ein paar Aufnahmen dieses unglaublichen Daches aus Eisen und Glas.
Berlin: Eine Woche war nicht genug
Berlin hat am meisten Film bekommen. Allein die Reichstagskuppel hat eine halbe Rolle gekostet — ich konnte nicht aufhören, das Licht durch diese gläserne Spirale zu fotografieren. Die Reflexionen der goldenen Stunde auf dem Spiegelkegel waren unwirklich.

Das Holocaust-Mahnmal ist ein Ort, der sich je nach Besuchszeit verändert. In der Nachmittagssonne werfen die Betonstelen lange geometrische Schatten. Mit der Kamera hindurchzugehen fühlte sich an, als würde man etwas dokumentieren, das sich der Dokumentation entzieht. Die Inschrift an der Berliner Mauer — „Du hast gelernt was Freiheit heisst und das vergiss nie mehr” — bleibt einem im Gedächtnis.

Die Museumsinsel war ein ganzer Tag. Das Treppenhaus im Neuen Museum mit Licht, das durch die Fenster schneidet, die Rotunde im Alten Museum, ein Paar, das gemeinsam vor einem Gemälde sitzt — diese Innenräume sind gemacht für langsamen Film und Geduld.
Und dann das alltägliche Berlin: S-Bahnen, die sich in Glasfassaden spiegeln, Graffiti-Wände hinter Spielplätzen, die Weltzeituhr am Alexanderplatz im letzten Licht. Eine Stadt, der nie die Motive ausgehen.
Potsdam & Sanssouci
Ein Tagesausflug nach Sanssouci fühlte sich an wie das Betreten eines Gemäldes. Die Kolonnade im Park mit langen Nachmittagsschatten, die barocke Kuppel aus der Nähe mit ihren Skulpturen — Friedrich der Große hatte Geschmack, das muss man ihm lassen.

Das Rheintal
Am Rhein ging es vor allem um Höhe. Durch Weinberge oberhalb von Bacharach hinaufsteigen, hinunterschauen auf Kirchtürme und den Fluss, der sich um Burgruinen windet. Ausblicke durch alte Steinfenster mittelalterlicher Türme, die das Tal darunter einrahmen. Dieser Abschnitt Deutschlands fotografiert sich wie nirgendwo sonst — Schicht um Schicht aus Grün, Stein und Wasser.

Heidelberg: Der perfekte Abschluss
Heidelberg war unsere letzte Station, und das Wetter wurde endlich richtig frühlingshaft. Kirschblüten säumten die Wege am Fluss, die Alte Brücke leuchtete in der Sonne, und die Schlossruine auf dem Hügel darüber sah aus, als stünde sie seit Anbeginn der Zeit dort (fast — 13. Jahrhundert).
Der Blick vom Philosophenweg über den Fluss — die ganze Stadt ausgebreitet mit Schloss, Brücke und Kirchtürmen — ist eine Szene, die einen verstehen lässt, warum Menschen diesen Ort seit Jahrhunderten malen. Ich bin froh, dass ich noch ein letztes Bild dafür übrig hatte.

Frankfurt: Ein kurzes Nachspiel
Frankfurt war eigentlich nur ein Zwischenstopp, aber das Innere des Doms hat mich überrascht. Dieses warme Licht aus rotem Sandstein mit den Orgelpfeifen — ich stand dort, bis jemand fragte, ob alles in Ordnung sei. Und die Kirschblüten im Park waren auf dem Höhepunkt. Manchmal kommen die besten Aufnahmen von Orten, die man nicht eingeplant hatte.
Zwei Wochen, mehrere Rollen Film und ein Land, das mir Schnee, Frühling, mittelalterliche Städte, brutalistische Mahnmale, barocke Paläste und Flusstäler geschenkt hat. Deutschland auf Film — das kann ich jedem empfehlen, der eine Kamera und etwas Geduld mitbringt.